Der „ein bisschen Kitsch schadet nie“-Adventskalender für Menschen mit Förderbedarf im Bereich Basteln

Ab und an überkommt es mich und ich nehme – wider besseren Wissens- den Bastelkleber zur Hand und harre der Dinge die da kommen. Die Dinge sehen dann doch am Ende äußerst danach aus, als hätten meine nicht vorhandenen Kinder daran maßgeblich mitgewirkt.

Beim Erschaffen eines neuen Adventskalenders für den Gatten hab ich deshalb wohlweislich auf Halbfertigprodukte zurück gegriffen und sie so zusammengepunzt, dass es – nun ja – anständig aussieht und noch genug Geld übrig ist, um gute Dinge für Innendrin zu besorgen.

Ich war bei Tiger und beim Depot (die mir beide für die Erwähnung ihrer Namen nix geschenkt haben) und habe erworben:

  • 1 Rolle Dekoband „Schneesterne“ (2m, 2€)
  • 1 Sternchenlocherdings (1€)
  • 24 Papiertütchen (in 6er Packs zu 1€)
  • Und vom Depot: Wäscheklammern mit Adventskalendernummern und possierlichen Bildchen (7,99€)

    Rechts oben in jedes Tütchen hab ich einen Stern gestanzt, das Schneesterneband in Stückchen (je 3 Schneesterne) geschnitten und mittig aufs Tütchen geklebt.

     Ich schwöre ja auf diesen „Wird beim Trocknen transparent“-Bastelkleber – aus Gründen. Wenn befüllt, wird schließlich die Wäscheklammer draufgeklippt.

    Ich finde das Ergebnis ja niedlich. Sagt jetzt nichts Falsches und habt einen schöne, lichtvolle, zwischendurch vielleicht sogar mal geruhsame Adventszeit.

    Von Sechsjährigen ausgelöste gute Laune ist echt nicht die schlechteste

    Heute: Hattifnatte eilt ganz besonders eilig von Klotzparkplatz zu Erstklassraum – sie hatte soeben Vertretung in der Förderschule und aus Vertretungen kommt man ja nie rechtzeitig raus, kommt man nicht?
    Bepackt ist sie selbstverständlich mit einer dieser transparenten Ikea-Kisten, in denen mal Ordnung herrschte. Inzwischen ist das mit der Transparenz büschen peinlich. Obgleich ducheinander sind in dieser ganz speziellen Kiste aber nach wie vor ausschließlich Dinge zur Zahlzerlegung (!). Im anderen Arm ne Gitarre und unterm Arm die Schultasche, Plastikverpackung von diesen krassen „Kinderhörnchen“ gerade nochmal eben reingeschoben, bevor es ein Grundschüler sieht.
    So bepackt begegnet mir Veit, ein süßes Kind, selbstverständlich vollgepackt mit Kompetenzen, zu denen allerdings Merkfähigkeit nicht unbedingt gehört. „Hallo Frau König-Wusterhausen!“ kräht er mich fröhlich strahlend an. „Hallo Frau Hattifnatte“ verantwortebessere ich blöde. Woraufhin Veit sich kringelt vor Lachen: „Ich bin doch nicht Frau Hattifnatte, die ist doch ———–Das bist doch du!“ Man stelle sich dazu ein „Heureka!“-Gesicht vor.
    Gute Güte, was sind Erstklässler niedlich!

    Hattifnattenaggressionsmaterial

    Doch, doch, ich schreibe. Voll schöne Texte über Musikrituale in der ersten Klasse und anderes erfreuliches. Und dann veröffentlich ich sie fast. Und dann doch nicht, weil wohl tatsächlich Menschen im Klotz meinen Blog zu lesen scheinen. Und das ist dann plötzlich sehr nah dran und ein bisschen neu und unheimlich und die Hattifnatte muss das erstmal in ihrem Kopf bewegen.

    Aber nu ist Leonard Cohen tot und ich hör die ganze Zeit „Take this waltz“ und „Dance me to the end of love“ und „So long, Marianne“ und so wunderwunderschön wie diese Musik ist – büschen melancholisch macht sie ja schon, macht sie nicht? Wenn ich dann endlich mal die neue „Praxis Grundschule“ durchblättere und mir fällt so nen Flyer für irgendwas entgegen „Inklusion, endlich einfach!“ verspricht er – wie so vieles andere Material das auch gerade tut. Hattifnattenaggressionsmaterial ist das.

    Denn – liebe Verlage, liebe Menschheit, liebe nicht Winterschlaf haltende Tierwelt: das Material mag noch so dermaßen großartig sein (und oft ist es das ja nichtmal). Inklusion ist nie selten einfach. Es ist schwer, es ist Arbeit, es verlangt Einsatz, viele Menschen, lange Gespräche,  gute Ideen, goldene Seelen, Nasenbluten, Achselschweiß und Tränen (der Freude und der Erschöpfung).

    Ich bin inklusionsbefreundet. Aber man höre – the fuckingfuck –  doch bitte auf zu behaupten, es gäbe dafür einfache Standardlösungen.

    Heute morgen habe ich zwei Croissants gegessen* – und auch sonst könnte es mir schlechter gehen

    Für den Freundeskreis „Blogartikel kurz zusammengefasst“ habe ich sagenhaft freundlich den Inhalt des selbigen in die Überschrift geklemmt. Alles andere ist Beiwerk, möglicherweise schmückendes. 

    Es gibt inzwischen Tage, da fühl ich mich echtmal kompetent. Die sind nicht in der Mehrzahl, das wär sonst auch beängstigend, aber sie sind spürbar und da. Jüngst trug ich das Kompetenzkleid – und fror mittel-bis nullkompetent vor mich hin. Vielleicht braucht der Klotz ein anderes Kompetenz-Kleidungsstück. Rock, Bluse, Tuch? Vorschläge werden gern entgegen genommen.

    In enorm grosser Bälde sind Herbstferien. Ich bin bekanntlich im Zeichen des Bilchs geboren und nutze sie somit zur Winterruhe. In wachen Minuten werde ich zwei Artikel** mit fachlich zu verwurstenden Inhalten schreiben. Ab und an werde ich mit Runzelstirn an Schulisches denken. Und mich anderen tags darauf freuen.

    **Davon erstmals einen „das Produkt wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt…“ und einen dazu, was Musik im Unterricht mit den ganz Kleinen so kann.

    *Die kamen ganz frisch aus des Bäckers Ofen.und mussten somit sofort verzehrt werden. So sagt es das Gesetz. 

    Nachmittagsgedanken

    Zwei Körperlichkeitspole in den neuen Arbeitsgebieten:

    Der Körper als pädagogischer Gebrauchsgegenstand: die zu trocknenden Tränen, der abzuwischende Rotz, bepustete Wehtunisse, Vorleseschoß, beweinte Blusen, wilde Bauchumarmungen, Kopfstreichler, gehaltene Hände, gedrückte Schultern. Bei den ganz kleinen in der ersten Klasse.

    Der Körper als Diskursobjekt und Gesprächsanlass mit den großen Dramaqueens: „Sie tragen das erste Mal eine Röhrenjeans, Frau H.“ . „Haben Sie einen Brilli am Zahn, Frau H.?“ (Um Gotteswillen, nein!)
    „Sie haben voll schlanke Beine, Frau H.“ ist leichter zu sagen als „Bitte entschuldigen Sie mein gestriges Benehmen“…*

     

    *Zum weiteren Beziehungsaufbau wäre es sicher derbstens Weise, ich würde mich – abseits von hohen christlichen Feiertagen, krassen Festen und Kompetenzblusentagen – schminken.🙂

    …und nachmittags frei. Tagebuchbloggen am 28.09.

    „Sie erreichen mich telefonisch am besten ab halb 5“, teile ich der neuen Familienhilfe mit. Sie kommentiert freundlich, dass auch sie gerne einmal einen Mittagsschlaf halte und mich selbstverständlich nicht vorher anrufen würde. Ich verrate nicht, dass ich mitnichten zu Mittag schlafe*, sondern üblicherweise einfach nicht vorher zu Hause bin.

    Außer Freitag. Übermorgen ist Freitag, das freut mich. Mitnichten, weil die Woche so schrecklich gewesen wäre. Bin bloß so dermaßen, unglaublich, möglicherweisesollteichtatsächlichmalekelerregendeEnergydrinkskaufen-müde. Anstrengend sowas Neues, anstrengend, „Fachkraft“ für emotionalen und sozialen Förderbedarf zu sein, sich nicht stets besonders fachkraftig zu fühlen, mit Menschen im Rücken die sich – berechtigterweise – wünschen, dass bestimmte Verhaltensweisen bei Kindern schnellschnellschnell verschwinden. Was nicht so in der Natur gewachsener Verhaltensweisen liegt.

    Anstrengend, Wege zu finden , innere und äußere (heute erstmals im Klotz neue Klasse auf Anhieb gefunden!). Wohltuend, trotzdem froh zu sein (meistens).

    Weil in Norddeutschland das Wetter seit heute laut „Herbst“ sagt, hier jahreszeitlich passendes Liedgut

     

    *Wenn ich das tu, dann kann mein Gehürn am selben tag keine annäherend zu Arbeitszwecken ausreichenden Leistungen erbringen. Ich bevorzuge es, mich zur Winterruhe ab November in meinen Kobel zurück zu ziehen. By the way: Wusstet ihr schon, dass Siebenschläfer acht Monate Winterschlaf halten! Vorbildhaft!

    Menschheit, iss Erdnusssoße!

    Da kommen nämlich drei S hintereinander vor, das sieht lustig aus (und nebenbei schmeckt es super).

    Mir war danach euch mitzuteilen, dass es mir echt schonmal deutlich schlechter ging, ich zwar ständig grässliche müde bin, verzagt aber nur höchst zeitweilig. Ich esse wieder deutlich mehr Dinge als noch vor einer Woche, gehe fröhlich (und weiterhin aufgeregt) zur Schule, unterrichte, freue mich, erkläre, bespreche, zweifele, bereue, revidiere, protokolliere, lächle, recherchiere, jammere, unterhalte mich und fahre irgendwann am späten Nachmittag nach Hause. Dort tu ich das, was alle Lehrer nachschulisch tun: ich trinke Kaffee, esse Riffeltomatenkäsebrot und bestelle Bücher.

    Später koche ich Dinge. Sehr befriedigendes Essen, egal ob bei Euch gerade noch Sommerherbst oder schon Herbstherbst ist: die bereits erwähnte Erdnusssoße mit Kram anbei.

    Ich sach schon jetzt: in Mengenangaben bin ich skandalös schlecht. Meine Kochphilosophie beruht auf der Maßeinheit „so viel, dass es halt gut schmeckt“, ich werde aber stets bemüht sein, für Euch zu konkreteren Mengenangaben zu kommen. Also los.

    Zutaten (in Order of Appearance)

    1 TL Hühnerbrühe

    1 fingerdicke Scheibe Ingwer (oder mehr)

    1 Scheibe ungespritzte Zitrone mit Schale

    1/2 Knoblauchzehe

    100ml Kokosmilch (optional)

    3 ordentliche EL  Erdnussmus (ohne Crunch)

    Sojasoße

    Chilipulver

     

    Hühnerbrühe, Ingwer, Knofi, Zitronenscheibe zusammen mit etwas 300ml Wasser aufkochen und ca 10 Minuten köcheln lassen. Erdnussmus und Kokosmilch dazu, alles pürieren. Haltstopp! Freunde eines zarten Geschmacks nehmen die Zitronenscheibe und vielleicht sogar den Ingwer vor dem Pürieren raus. Ich mag Ingwer sehr und nehme deshalb sogar mehr als angegeben, die pürierte Zitronenscheibe macht das ganze leicht zitronig*-bitterlich. Ich find das super, der Gatte weniger.

    Wie auch immer ihr euch entschieden habt, könnt ihr jetzt mit Sojasoße und etwas Chili  abschmecken und das ganze vielleicht noch ein bisschen einköcheln lassen.

    Bei uns gibt´s dazu Basmatireis und Gemüse (Möhre, Fenchel, Broccoli, Paprika) ausm Dampfgarer**.

    Gutes Essen! Probiert mal!

     

    Ein wunderbares Wochenende wünscht Euch

    die Hattifnatte

     

    *Das hättet ihr nicht erwartet, wa?🙂

    **Dampfgarer sind toll, toll, toll! Geht aber natürlich auch mit gebratenem, gedünstetem gesonstwastigem Gemüse