Nächste Woche um diese Zeit…Bloggen am 26.08 (Plus LRS-Kompendium)

Nächste Woche um diese Zeit weiß ich in etwa, wie mein Stundenplan aussieht.

Nächste Woche um diese Zeit weiß ich, welche Stunden ich noch im gewohnten kleinen Förderschulkosmos verbringe und welche im neuen, ungewohnten, großen Schulzentrum.

Nächste Woche um diese Zeit werde ich noch deutlich aufgeregter sein als jetzt.

Auch nächste Woche um diese Zeit wird es dankenswerter Weise noch Brote geben, die gebacken werden müssen, Fenster, die lange nicht mehr geputzt wurden, Böden, die unbedingt gewischt werden wollen* und Blogartikel, deren Schreiben versprochen wurde…:-)

Apropos: Auf zum Band 3 des Kompendiums zum Abbau von Schwierigkeiten beim Lesen und beim Rechtschreiben: „Silben-Stämme-Stolperstellen“ Basistraining 1** , verfasst von Edeltraut Koschay, die gemeinsam mit der Co-Autorin der anderen Bände, Frau Hoffmann, jahrzehntelang mit LRS-Kindern gearbeitet hat. Das Konzept sieht sich als eine Weiterentwicklung des Modells von Kossow, der auch in meiner West-Uni in den LRS-Kursen lobende Erwähnung fand.

wp-1472207798450.jpg

Ich kenne den Kieler Leseaufbau und als ich anfing zu blättern und zu lesen, kam mir das ein und andere durchaus bekannt vor.

wp-1472207761625.jpg

Die Silbe ist auch hier ganz eindeutig eine Protagonistin, hier kommt allerdings noch einiges dazu. Ein ganz wichtiger Baustein ist das Herauslösen von kurzen bzw. langen Vokalen, wozu vielfältige, teilweise sehr kreative Übungen angeboten werden.

wp-1472208858749.jpg

Irre gut gefallen mir die Übungen zu den dort so genannten „Blitzern“, den Wortendungen en, el, es, er, die schnell erkannt werden sollen. Große Erleichterung für Kinder mit Leseschwierigkeiten!

wp-1472209082021.jpg

Der Band schließt ab mit der „Rostocker Lesehilfe“, die früher mal Band 2 des Kompediums darstellte, der aber leider nicht mehr lieferbar ist. Der zentrale Punkt für mich ist hier das „schriftliche Lesen“, das Abtasten des Wortes auf Vokale, Silbengrenzen und Vokallänge/kürze, das zunächst in aller Ruhe tatsächlich schriftlich durch Kennzeichnung und Markierung der entsprechenden Stellen geschieht. Wenn man die Anweisung dazu liest, brummt zunächst der Kopf vor lauter Informationsfülle. Ich durfte das „Schriftliche Lesen“ mal beim Hospitieren (bei M.B.) erleben, wo es zuvor jahrelang von Schriftsprache verängstigten Kindern Sicherheit und Orientierung gab.

Da das Material für diverse Gruppen nutzbar sein soll, wird in den Anmerkungen erwähnt, was als Minimalanforderung – z. B in Bezug auf Buchstabenkenntnis – da sein muss, um bestimmte Übungen erfolgreich zu bewältigen. Auch Überlegungen, um Übungen in den Erstleseunterricht zu integrieren, sind vorhanden.

Das einzige, das mir bisher missfällt, ist die Anwendung der Schreibschrift auf manchen Arbeitsblättern, die ich bekanntlich für ungefähr so zentral für Lese-Rechtschreibschwache Kinder halte wie den täglichen Verzehr von Pastinaken .

Der Band ist nichts, woraus man sich „schnell mal“ was kopieren kann oder sollte, bevor man damit vertraut ist. Man muss sich schon hinein arbeiten in das Konzept, sich Gedanken zur Reihung und Einführung von Übungen machen und – sofern man mit meinem Klientel arbeitet – auch sicher weitere Arbeitsblätter erstellen – die Fülle ist nicht so dermaßen groß.

Im Ganzen und Großen bin ich äusserst angetan (verstehe aber auch, warum M.B. immer empfohlen hat, möglichst zusätzlich zum Schriftlichen Fortbildungen bei den Autorinnen zu belegen – vieles wird dann sicherlich noch besser verständlich.)

Eine Zusammenfassung über die Hefte und deren Inhalt findet ihr in diesem pdf-Dokument, ganz unten stehen die Emailadressen der Autorinnen für Bestellungen. Das beschriebene Heft 3 kostet 11€ (zzgl Versand).***

Entschuldigt bitte mangelnde sprachliche Schönheit und Rechtschreibfehler – urst heiß im beveluxfensterten Arbeitszimmer, heute. Ventilator wäre gut! Apropos Ventilator, apropos Wind, apropos Windmühlen: mit dieser unglaublich schönen Version**** dieses eh schon schönen Liedes entlass ich euch ins Wochenende und danke für die werte Aufmersamkeit. Das tägliche Geblogge tut mir wohl, vielleicht mach ich nächste Woche weiter.

Hitzeherzchen sendend: H.

 

*Es empfiehlt sich übrigens in keiner Weise, eine volle Bierflasche auf Fliesenboden fallen zu lassen. Den Boden viermal (!) zu wischen ist nicht mehr Prokrastination, sondern nervig. Für Sie getestet.

** Basistraining 2 findet sich in Band 5 der Reihe

***Für alle verfügbaren Hefte habe ich 104,50€ inkl Versand bezahlt.

****Gefunden im Blog von Herrn Buddenbohm, der hiermit uneingeschränkt empfohlen wird.

36 Grad und es wird noch heißer – (Kein) Tagebuchbloggen am 25.08.

Mit niedlichstem Patenkind und Schwester rammdösig auf Sofa gesessen und Dinosaurierbücher vorgelesen (dem Kind – meine Schwester kann bereits selbst lesen und ist nicht primär an Urechsen interessiert.) Vermehrt bei unbekannten Dinonamen verhaspelt – gut, dass niemand die richtig gelesen Wörter pro Minute gezählt hat…

Morgen bekommt ihr wie versprochen meine Einschätzung zum Leserechtschreibkompendium. Ich empfehle GinTonic und Schatten zum Abendbrot!
Habt es gut!

This is my truth, tell me yours – Tagebuchbloggen am 24.08.

Urst wichtige Anmerkung zum gestrigen Tage: Während die Pitabrote schon langsam Raumtemperatur annehmend ihres Todes durch Verzehr harrten, das Gemüse geschnitten vor sich hindorrte und die Knoblauchsoße im Kühlschrank durchzog, zerfielen die Falafel beim Wenden! (!!) Ich betrachte dies als persönlichen Affront gegen mich und habe (aus Protest) natürlich nicht mehr den RTI-Text gelesen.

Dafür aber heute morgen, – der Autor* kritisiert stark das dreistufige, recht starre RTI-Modell (englischer Text) und hat da mit vielem auch sicher recht. Für mich – und da macht die Hattifnatte sich mal wieder die Welt widewidewie sie ihr gefällt – bedeutet „Responsiveness to intervention“  vorallem, eben nicht ausschließlich die Defizite beim Kind zu suchen, sondern eine passende Fördermöglichkeit zu finden, auf die es anspricht. Das finde ich als Denkansatz mal schwer sympathisch. Auch die Idee des Curriculum basierten Messens find ich ne gute Sache. Die wilden Kerle mussten das im letzten Jahr in Bezug auf die Malreihen wöchentlich über sich ergehen lassen und ich hab schon nahezu ewig vor, endlich mal regelmäßig die richtig gelesenen Wörter pro Minute zu erheben und daraus Grafiken zu basteln.

Als Komplettkonzept angewendet  sehe ich da auch so die ein oder andere Schwierigkeit.  Ist es doch ein sehr technisierter Ansatz der schönen Idee des Lernens. Ganz abgesehen davon, dass GrundschullehrerInnen – so sie allein unterrichten(was ja leider doch nahezu immer der Fall ist) –  noch massiver gefordert sind als eh schon.

Theoretischer Exkurs zu Ende, Vorhaben für heute:

wp-1472033511479.jpg

Ihr seht das „Kompendium zum Abbau von Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben“, für das meine ehemalige Kollegin M.B. schwärmt (und ich schwärme bekanntlich für M.B.).

Vor zwei Monaten hab ich mir´s endlich mal angeschafft. Und ins Regal gelegt.*** Humpfmumpf. Nun liegt es auf dem Teppich, gleich auf dem Gartentisch. Morgen erzähl ich Euch mehr davon**.

Den NRW-Menschen unter Euch einen sonnigen Schulanfang!

Habt es gut!

Eure Hattifnatte

 

*Limbach-Reich, Arthur: „Response to intervention“ (RTI) im Spannungsfeld inklusiver Diagnostik In: Schäfer/Rittmeyer(Hg): Handbuch inklusive Diagnostik, Weinheim (Beltz)2015, S.478 – 495

**Yo, ich weiß: Tagebuch wird üblicherweise am Ende des Tages geschrieben. bin aber gerade morgens produktiver – und ihr haltet das schon aus, haltet ihr nicht?

*** Die aufmerksame Betrachterin könnte bemerken, dass ich es geschafft habe, trotz bisher kaum stattfindender Benutzung bereits ein Eselsohr in einen der Umschläge zu machen. Ich kann´s einfach…

 

 

 

DL-KG, mit freundlichen Grüßen** – Tagebuchbloggen am 23.08.

Mit Kopfschmerzen aufgewacht, Ernährung erfolgreich auf Marmorkuchen umgestellt, Esspressokännchen gekocht und ausgetrunken, Wombat gestreichelt. Kopfschmerzen deshalb besser (komm mir jetzt keine mit Korrelation und Kausalität)🙂

wp-1471950857344.jpgTatsächlich Diagnostikkram durchgeschaut und wenig weggeschmissen. Ich habe in den letzten fünf Jahren kaum Feststellungsdiagnostik betrieben (werde es im nächsten Jahr aber vermutlich tun) und bin froh, noch seitenweise lustige Auswertungsbeispielblätter zu haben (dieser gehört zum DL-KG, Konzentrationsdingens, schon älter)

wp-1471950615771.jpgWelch Glück, dass mir zwischendurch die Maus über Motivationstiefpunkte hilft (was macht ein Blatt mit zerknickten, unspezifischen Selbstinstruktionskarten beim Diagnostikkram?  Weil die Maus drauf ist, behalt ich es.

wp-1471950641788.jpgHabe große Sehnsucht nach Drucken, Laminieren, ausschneiden. So schön konkret, ihr wisst schon. Widerstehe tapfer dem Drang, irgendwas, das ich eventuell gebrauchen könnte, dem Prozedere zu unterziehen* und schau während des Sortierens böserweise schlechte Serien (Royal Pain, nämlich).

Finde Dinge, mit denen ich nicht gerechnet hätte:

wp-1471950598481.jpgIch musste  Regressionskoeffizienten und deren Brüder und Schwestern für meine Examensarbeit (2007!) berechnen.  Dank der Arbeit und eines wirklich gut geschriebenen Buches über Statistik für Marketingmenschen* ist davon sogar noch was in Gehirwindungen hinten links gespeichert. Blatt wird weggeworfen.

Nützlicherer Fund, ebenso unerwartet:

wp-1471950556407.jpgwp-1471950542888.jpg

 

 

 

 

 

Das ist der „Rundgang durch Hörhausen“ (ein Diagnoseverfahren zur phonologischen Bewusstheit für die erste Klasse) in zerschnibbelter, verhältnismäßig einsatzbereiter Version. Wurde hattifnattenseits seit dem Umzug für verloren erachtet. Kommt jetzt mit dem Buch zusammen in eine Ikeakiste, wie bei anständigen Leuten.

Apropos Ikeakisten:

wp-1471950672280.jpgwp-1471953717596.jpgIch weiß, bei euch im Regal ist es noch viel aufgeräumter und das schon seit Jahren. Ich hingegen bin sehr stolz auf meine 20 neuen Ikeakisten, zu Beginn der Ferien schön thematisch geordnet und gut für alles, das nicht in Ordner passt. Ihr dürft mich loben.🙂

Jetzt geh ich meinen Garten besuchen, später mach ich Falafel nach Ottolenghi (frittieren ist stets eine gute Idee) und wenn bis dahin nicht der intellektuelle Anspruch auf die stille Treppe geschickt wurde, les ich noch den RTI-Text im Diagnostikbuch von gestern.

Bis morgen

Eure Hattifnatte

 

P.S.: Weil ich gerade etliches verlinke und deshalb schon eine Mail bekam: Nix von alledem wurde mir kostenlos von irgendeinem Verlag zur Verfügung gestellt (bedauerlich)  noch hat man mich für Werbung bezahlt oder darum gebeten. Wenn das passiert, sach ich Euch das schon.

*die Beispiele hatten was mit Margarinevermarktung zu tun, mein ich. Meine Arbeit nicht (überraschenderweise).

**Sorry, Fanta 4. Da der Jungspund als solcher inszwischen dank „Voice of Germany“ die Fantas wieder kennt, könnte man MfG auch gut mal wieder schulisch verwursten

 

„Gefasel!“ Tagebuchbloggen am 22.08.

Bisher war nur Aufräumen, ab hier ist Aufregung. Abordnungsaufregung. Es gibt zwar immer noch die wilden Kerle im Hattifnattenuniversum, aber auch eine neue Schule und neue Kollegen, neue Kinder, neue Stundenpläne.

Alle strunzunbekannt – Freude mischt sich mit Aufregung mischt sich mit  Aktionismusphasen mischt sich mit Befürchtungen, mischt sich mit dem Wunsch, große Anzahlen von Kompetenzblusen zu erwerben.

Soviel vorweg, jetzt Tagebuchgeblogge.

Der Gattehattifnatte geht ab heute wieder der Erwerbstätigkeit nach und sommerferienzeitrechnungsmäßig ist es für mich so weit,  mit mehr oder weniger konkreter Unterrichtsplanung zu beginnen. Aus oben genannten Gründen ist nix mit konkret – als Trotzreaktion und Ablenkungsmaßnahme backe ich heute Marmorkuchen und werfe Papier weg. Überlege sehr, mir die Matinkohefte anzuschaffen. Geld ausgeben hilft und gilt im Kopf als Vorbereitung.

Trage meinen Lehrerkalender vor. Gilt im Kopf als Vorbereitung.

Kaufe im Tiger Planungsbücher und Kinderpflaster. gilt im Kopf als… (ihr wisst schon).

Habe grandiose Idee, Fachbuch zu lesen. Greife zum relativ neu angeschafften „Handbuch inklusive Diagnostik“. Finde, manches könnte man auch weniger verschwurbelt schreiben. Sollte mir zu gebrauchende Stellen markieren und neben andere „Gefasel!“ schreiben. Vorhin Text aus Refzeiten mit ebendieser Randbemerkung dem Papiermüll zugeführt. Verbringe mehrere Minuten damit, über Autorennamen begeistert zu sein* und beschließe, dies als gutes Arbeitsabschlussgefühl für heute zu nutzen.

Möglicher Plan für morgen: Diagnostikordner sortieren und sichten – grundschulrelevanten Kram genauer angucken, ebenso im Buch. Bleistift und Textmarker mit aufs Sofa nehmen. Vielleicht zeig ich Euch, wie hübsch ich Expedit vorvorletzte Woche aufgeräumt habe.

Lasst es Euch gut gehen und esst mir ja nicht zu wenig Schokolade!

Eure Hattinatte

 

*Wer auch will: dies ist das Inhaltsverzeichnis

Manchmal

„Manchmal“ ist neben dem ganzen Fußballschmonz eines der aktuellen Lernwörter, mit denen ich es wage, die wilden Kerle fünf Wochen vor Ferienbeginn zu malträtieren.

„Manchmal“ lässt uns über Gefühle reden, etwas, das in letzter Zeit ab und an Kerle-initiiert beginnt und mich wähnen lässt, dass der ganze em-soz Kram in den vergangenen drei Jahren vielleicht doch nicht ganz umsonst war.**

Manchmal – heute zum Beispiel – zeigt Andi bei der morgendlichen Daumenstimmungsanzeige nach unten, möchte aber nichts weiter dazu sagen. Minuten später, verpackt er in der täglichen Übung Lernwörter geschickt in Sätze und möchte einen hernach unbedingt vorlesen:

„Manchmal“ liest Andi leise „habe ich nachts Angst und muss weinen.“

Manchmal suche ich noch nach Worten und andere sind nicht nur schneller, sondern auch besser.

„Naa, wer nicht?!“ sagt T, der Coole. Vereinzelt zustimmendes Nicken. „Ihr könnt erzählen“ sage ich. Und sie erzählen, einander und sich selbst. Von Monstern auf Treppen, an die man natürlich nicht mehr glaube, aber manchmal dann doch wieder, von fiesen Kindern in früheren Schulen, von der Zombieapokalypse und Terrorgefahr.
Ich schreibe „Seelenpflege“ ins Klassenbuch und bin für den Rest des Tages beschwingt (Andi auch, übrigens).

Manchmal gibt es sie, diese Tage, überschrieben mit einem deutlichen Gefühl. Dieser heißt Dankbarkeit.

**Ja, es gibt auch die Momente, wo ich das Gegenteil denke

Vaterland und Muttersprache

Hochgradig vernünftig und fußballuninteressiert wie ich bin, werd ich heute abend spätestens nach der ersten Halbzeit im Bett liegen, noch 2 Seiten „Auerhaus“ lesen und hoffen, dass die Nachbarschaft sich bei – gegebenenfalls vorkommendem – Jubel vornehm zurückhält.
Verhältnismäßig ausgeschlafen werde ich dann morgen vor 11 eher bis schwer übernächtigten wilden Kerlen stehen. Zum allgemeinen Wachbleiben gibt´s dann sogar im Unterricht Fußball (der Ideenreise sei Dank!).

Schon Freitag im Klassenrat dominierte das Thema, ich fühlte mich bemüßigt zu klären, dass in der Nationalhymne nicht etwa das Wort „Vaterschaft“ vorkäme – erklären, warum es „Vaterland“* heißt, konnte ich nur unbefriedigend. Der Geschlechtergerechtigkeit halber habe ich 11 Wortschätze noch mit „Muttersprache“ in Kontakt gebracht – darauf P.: „“Geh sofort in dein Zimmer, du hast Hausarrest!“ So klingt meine Muttersprache!“**

 

*Patriarchale Strukturen, Alter! Bei „des Glückes Unterpfand“ sind wir zum Glück noch nicht gelandet…

** P. übertreibt. Supermutter, nebenbei bemerkt