(My heart goes) boom boom

Für die letzte Musikstunde vor den Ferien durften sich meine Förderschulklassen etwas wünschen: Bei Klasse 4 und 6 fiel die Wahl auf „die Boomsdinger, Sie wissen schon, die bunten“.

Ja, ich weiß schon…todesmutig hab ich mir letztes Jahr im September mehrere Sätze Boomwhacker (gestimmte Plastikröhren unterschiedlicher Farbe und Länge) bestellt: Kannte ich bis dahin nur von einer Seminarveranstaltung im Referendariat und aus Büchern. Von ebenjenen hab ich dann auch so einige gesichtet, viel gefunden, das ich als eher unbrauchbar klassifiziert habe: zu schwer, zu langweilig, zu unpassend (der Pachelbelkanon mit Boomwhackern???? Ein Boomwhacker macht, selbst sensibel angespielt, nun mal „Boom“ [wer hätte es gedacht?] und wenn mal was GAR NICHT „Boom“ ist, dann jawohl der Kanon in D-Dur von Herrn Pachelbel). Ich finde ja, ein mit Boomwhackern gestaltetes Lied sollte schon vom Grundcharakter her ein gewisses Maß an „Boom“ mitbringen. 🙂

Aaaaber, bevor ich überhaupt zur Liedgestaltung kam, musste einiges an Vorarbeit geleistet werden. Daran lass ich Euch jetzt teilhaben, vielleicht hilft es ja jemandem (manches hab ich aus dem wirklich empfehlenswerten Buch „Tolles Rohr“ geklaut, manches selbst erdacht)

  • Diese lauten, bunten, langen Dinger haben einen unglaublich großen Aufforderungscharakter. Das ist einerseits ganz furchtbar toll, weil man mal  ernsthaft begeisterte Förderschüler hat, andererseits muss man irgendwas tun, damit es nicht ein buntes, lautes, schlagendes Durcheinander wird: Ich habe mit allen Klassen im Sitzkreis (auf Stühlen, ORDENTLICH Abstand) begonnen, jeder durfte eine Spieltechnik seiner Wahl ausprobieren, und zwar genauso lange, bis ich meine Arme in die Höhe streckte. Dann wird der Boomwhacker mit beiden Händen (unbedingt, dann kann man nämlich [fast] nicht drauf spielen!) festgehalten. Das ganze wird als Spiel gestaltet (wer als letztes auf das Signal reagiert scheidet aus, bis nur noch einer im Kreis ist) und kommt sehr gut an. Nach wie vor beginnt bei mir jede Boomwhackerstunde von Klasse 2-7 auf diese Weise.
  • Anfangs habe ich die Boomis als rein rhythmisches Instrument eingesetzt: Spieltechniken ausprobieren lassen, den anderen vorstellen, Rhythmen vor- und nachspielen…
  • Da ich nicht über meinen sonderpädagogischen Schatten springen kann, ist bei mir alles auch irgendwo Beitrag zur sozial-emotionalen Förderung: Kreis- und Dirigentenspiele machen Spaß und dienen sowohl dem allgemeinen Aufeinanderachten als auch dem musikalischen Zusammenspiel.
  • Für die erste Arbeit mit Tönen hab ich Farbkarten benutzt (jeder Ton hat eine eigene Farbe), die nacheinander hochgehalten wurden. Die Steigerung davon – das Spielen nach Farbnotation – brauchte bei meinen Schülern viel Zeit und Geduld.
  • Der Knaller für aufbauendes Spiel ist „Die Affen rasen durch den Wald“: Es klingt schon sehr gut, wenn der Refrain rein rhythmisch begleitet wird (mit den aufrecht gestellten Boomis auf den Boden klopfen – so geben sie keine Töne von sich und sind reines Rhythmusinstrument). Dazu gab´s anfangs eine Freispielphase nach „die ganze Affenbande brüllt“ (ganz kurz ganz laut alle Töne durcheinander mit oder ohne coher geübten Rhythmus). Der nächste Schritt kann es dann sein, mit Bommwhackerdreiklängen zu begleiten (für das Lied reichen C- und G-Dur, mehrere Oktaven zu benutzen schadet nix) und auch die komplette Melodie ist machbar (klingt aber für mich doof, wenn dazu dann gesungen wird: wir haben die Strophe gespielt und den Refrain mit rhythmischer Begleitung gesungen).
  • Zusätzlich lassen sich die lustigen bunten Stäbe auch für die Musiktheorie einsetzen: man kann Tonleitern legen, sie für die Notenlehre nutzen und lauter so lustige Dinge. Sobald ich das ein bisschen ausprobiert habe, werde ich erneut berichten.

Zusätzlich noch ein Tipp, der durch das schöne und in diesem Fall wirkungsvolle Lernprinzip „aus Fehlern lernen“ entstanden ist: Zum Ende der Stunde irgendetwas tun, das hilft runterzukommen. (z.B. Boomi auf der Hand in Balance halten / Anschleich/Hör-Spiele) Auf etliche Schüler wirkt das Bomwhackerspiel aufputschend und wenn sie dieses Gefühl mit hinaus nehmen, muss die als nächstes unterrichtende Lehrerin das ausbaden (und grollt zurecht der Musiklehrerin, die durch Locken, Kisten, Alter etc. eh schon auffällt…)

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5 Gedanken zu “(My heart goes) boom boom

  1. Oh wie schön, danke für die Musik!
    ‚Boom‘ kann ich mir da allerdings auch mal so gar nicht vorstellen…
    Grüße von einer (bisher) stillen Mitleserin

  2. Viele Grüße zurück!
    Den Pachelbelkanon find ich auch in seiner Schlichtheit ganz sagenhaft schön. Man kann damit ganz fantastische Sachen zum aktiven Hören machen (natürlich ohne „Boom“ 🙂 ), eine sehr schöne Idee mit Teppichfliesen hab ich aus „Musik aktiv erleben“ geklaut.

  3. Oha, ich freu mich nach diesem Beitrag umso mehr auf meine Booms… die ich hoffentlich bald bekomme. Die Affen rasen durch den Wald ist sicher auch für meine Schüler der Brüller! 🙂
    Schöne Ferien! (bei mir dauert es noch 2 Wochen)

    1. Danke und viel Spaß mit den (hoffentlich bald eintreffenden) Boomis! als ich meine bekommen habe, musste ich erstmal zwei Stunden lang dies und das ausprobieren…faszinierende Teilchen!
      Hast du gleich Basskappen dazu bestellt? Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten noch um ein vielfaches (und ich hab keine…:-( )

  4. Kleiner Tipp – der Boomwhackerrock: http://www.pb.seminar-albstadt.de/bereiche/aesterzbewmsg/msg/Boomwhacker-Rock.pdf – nutze ich immer wieder in unterschiedlichen Klassenstufen, lässt sich wunderbar differenzieren und liegt sowohl in klassischer als auch in farbiger BW-Notation vor. Gehört bei mir zum BW-Repertoire 😉 Ich weiß nicht, ob das für Deine SuS auch was ist, aber vielleicht gibt’s ja neben dem Chor mal eine BW-Gruppe an der Schule… 😉

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