Der Mut zum Stolz (das wäre ein toller Titel für einen Adelsroman ausm Supermarkt)

„Seid stolz auf mich!“ Das hab ich vor ein paar Jahren meinen Eltern – zusammen mit einer Teilnote des ersten Staatsexamens – gesimst. . Meine Mutter fragte später (nachdem sie Stolz bekundet hatte), ob das eine Aufforderung mit- oder ohne Augenzwinkern gewesen sei. Ohne. Ich bin nicht gut im selbst stolz sein. Denn was kann schon morgen lauern?

Im Alleshinschmeißengefühl dieser Woche habe ich mich zum Stolzsein gezwungen. Auf das, was geschafft worden ist mit und von diesen Kindern mit sehr besonderem Förderbedarf. EINMAL ohne Gedanken wie „aber andere Klassen…“, „hätte Frau G. sie nicht schon viel weiter gebracht?“

Es ist schwer (und da bin ich (in diesem Berufsstand)) wohl nicht allein. Aber nötig. Denn: wer ist sonst schon auf uns stolz? Die Kinder sehen guten, unterhaltsamen Unterricht als Selbstverständlichkeit an (und sollen das ja auch), die Eltern freuen sich über Erfolge ihres Kindes (aber schreiben das nur bedingt dem Lehrer zu) die Chefs sagen „Ihr Jan-Jürgen hat ja heute auf dem Schulhof wieder…“. Gelobt werden wir dafür, dass wir in Zeiten großen Vertretungsaufwandes Klassen zusammenlegen ohne all zu sehr zu jammern.

Stolz kann ich – gerade ich mit meiner Specialforce-Klasse – nur im stillen Kämmerlein sein. Es gibt doch so viel, das noch zu tun ist, was ich versäumt habe. Das rückt (mir) doch viel offensichtlicher in den Blick als die Tatsache, dass Jan-Jürgen, der lange nur arbeitete, wenn man ganz in seiner Nähe blieb, darum bittet, die Schreibarbeit noch fertig machen zu dürfen. Dass Ninjo mit seiner außerschulisch unbehandelten ADHS die meiste Zeit des Unterrichts da ist, wo er gerade sein soll und seit langem keine Dinge mehr unkontrolliert durch die Gegend geworfen hat. Dass Ernst sich wieder in der Klasse wohl fühlt. Dass Jonnie – bis auf ab und zu mal einen Ausnahmetag – Regeln einhält (anders als zu Hause). Dass sie sich (fast) alle mit ihren unterschiedlichsten Fähigkeiten mitterweile anstrengen, ihre Arbeiten zu schaffen. Um sie mir unter die Nase zu halten. Mit der unausgesprochenen Aufforderung „Sei stolz auf mich!“

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Ein Gedanke zu “Der Mut zum Stolz (das wäre ein toller Titel für einen Adelsroman ausm Supermarkt)

  1. Ich bin stolz auf dich, daß du dich traust, die Was kann schon morgen lauern – Gedanken für Augenblicke wegzutun und auf das Gelungene zu gucken, ohne die Seitenblicke, was noch besser sein könnte und müßte. ( „Heute ist ein Tag deines Lebens. Morgen ist ein anderer Tag.“ Das ist der Kommentar deines Vaters aus dem Hintergrund.)
    Deine Positivliste ist ganz schön beeindruckend. Und dein „Mut zum Stolz“ nach dieser Schulwoche auch.
    Hab ein gutes Wochenende mit noch viel anderem Aufbauenden!
    Deine M.

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