Werkzeug des Hysterikers (Teil 1)

Ich hab ja mal Geschichte studiert, ne? Durchaus mit heißem Bemühen. Von dieser schönen Zeit steht noch so einiges im Arbeitszimmerbücherregal „Billyvonungefährt1970“. Dann und wann les ich mit Freude was davon. „Lebensformen Europas“ zum Beispiel. Oder die „Geschichte des Todes“ von Aries. Was ich sehr lange nicht mehr in der Hand hatte, ist „Werkzeug des Historikers“ von Ahasver von Brandt. Der Mensch ist ungefähr so lang nicht mehr am Leben, wie der Vorname es vermuten lässt und ist – anders als so manch anderer Historiker – nicht mal tertiär darauf aus, seine Leser gut zu unterhalten. Wenn man aber tatsächlich mal was enorm mittelalterliches (kopiert) vorliegen hat und irgendeine Eigenart daran gern verstünde, lohnt es sich, Herrn Ahasver zu Rate zu ziehen. Pieksig, aber hilfreich.

Puh, so ein ausgedehntes Vorgeplänel gab´s schon länger nicht. Eigentlich will ich nämlich gar nicht von meinem „Ich habe mal Proseminare besucht, in denen ich abseitige Bücher zu den Historischen Hilfswissenschaften lesen durfte“-Status erzählen.

Ich will meine liebsten pädagogischen Werkzeuge vorstellen*. Zum Teil etwas pieksig und langwierig in der Bearbeitung (wie das oben erwähnte Buch). Aber fähig, mir meine WASMACHICHNURWASMACHICHNUR – ICH SCHMEISSE ALLES HIN-Hysterien** zu nehmen. Oder sie abzudämpfen – weil nämlich die Werkzeuge fähig sind, Ideen einzupflanzen (minimal invasiv!) und das große AAAHHHHHHHHHH! im Kopf zu nehmen. Werkzeuge des Hysterikers eben.

Eins ist der „Kronshagener Systemische Fragebogen Erziehungshilfe“. Für einen Schlumi wie mich ist es von groooßem Vorteil, dass er im Internet zu finden ist. Wer systemisch-lösungsorientiertes Arbeiten kennt, wird über den Aufbau und viele Fragen nicht wahnsinnig überrascht sein. Das macht aber nichts. Helfen tut es (mir) trotzdem. Zu Jan-Jürgen bin ich durch das „Lokalisieren von Ausnahmen“ (Wann bestand das Problem nicht?/ Was war da anders / Kann ich die Phasen ausdehnen?) vorgedrungen – ein bisschen. Aktuell bin für ihn (mal wieder) bei den „Systembezügen“: „Welche Botschaft erhält er vor/während/nach seinem auffälligen Verhalten von mir, von anderen?“ Pieksige Fragen, muss ich mich reinfressen.

Ich nutze den Bogen höchst selten in Ganzen, sondern versuche mir eine für mich gerade hilfreich erscheinende Kategorie rauszugreifen, die Lösungsmöglichkeiten aufzeigen könnte. Für das dann in Angriffzunehmende  kann man die Skalierungsfragen (ganz am Ende des Fragebogens) benutzen. Die fand ich als Studentin end-albern. Heute find ich sie end-aufbauend: „Woran erkenne ich, dass ich auf der Skala einen weiteren Schritt nach vorne gemacht habe?“ Es lebe das kleine, erreichbare Ziel. Die nächste Wegmarke beim Joggen. „Bis dahin schaff ich es noch!“ Und dann: Yeah!

 

* So nach und nach. Jeden Monat eins.

** Wusstet ihr, dass Hysterie von „Hystera“ (griechisch für Gebärmutter) kommt, also ein allein weibliches Problem ist? 😉 die information hab ich mal für ne (historische!) Hausarbeit verwendet…

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5 Gedanken zu “Werkzeug des Hysterikers (Teil 1)

  1. Das wusste ich sogar, allerdings schaudert mich bei der Erwähnung des systemisch-lösungsorientierten Ansatzes, über den ich eine Klausur schreiben müsste (Fernstudium) und mich schon eine Weile elegant davor drücke. Ach. Ein Zeichen?
    Bestens, Nina

  2. Ich weiß auch, wie dieses durch und durch weibliche Problem im 19. Jahrhundert von Ärzten behandelt wurde und freue mich darüber, in anderen Zeiten zu leben 🙂

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