Wert und Bewertung

War bei Euch heute auch Zeugnistag? Ich musste das erste Mal in meinem Leben als echte, fertige Lehrerin eine Notenzeugnis austeilen. Klar haben wir an der Förderschule größere Freiheiten, Noten „pädagogisch“ zu gestalten als an anderen Schulformen. Klar finden die Kinder Noten interessant. Klar versteht Ninjo nicht wirklich, wo seine 4 in Deutsch herkommt – wo er doch letzte Woche für das Gedicht eine 1 bekommen hat. Klar schreiben wir noch unsere schlauen Textchen dazu und die Kinder bekommen Entwicklung und Verhalten im Halbjahr durch die Smileys im „Kinderzeugnis“ nochmals verdeutlicht.

Trotzdem hat diese Form der Bewertung für mich keinen Wert. Einen Wert würde ich in allem erkennen, das mich, die Kinder, die Eltern tatsächlich eine Entwicklung  sehen lässt: ein Kompetenzraster für die Hauptfächer, in dem Kreuzchen munter mehr werden können. Noten ab einem bestimmten Alter von mir aus dazu.

Frustrierte Grüße

von der Hattifnatte (die gerade schon ihr Bad geputzt hat. Und ihre Küche. Und das Sofa abgesaugt – nun muss es aber langsam mal wirken)

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10 Gedanken zu “Wert und Bewertung

  1. Ich war laufen, hab‘ Pilates gemacht und putze jetzt das Klo (musste Übergangsempfehlungen erteilen). Mal sehen, wann es wirkt.

  2. Notengebung kann eine sehr unbefriedigende Angelegenheit sein, das stimmt. Und die nackte Zahl (ich bin auf Gymnasiumschule, da gibt es nichts anderes als hässliche nackte Zahlen) sagt über die Entwicklung genau gar nichts aus. Leider.
    Wenigstens haben wir den „Spaß“ schon letzten Freitag hinter uns gebracht (doof, denn jetzt ist die Wohnung schon wieder putzbedürftig …). 😉

  3. Ich habe zwei Portionen Pudding gegessen und war gerade bei der Massage. Vielleicht kaufe ich mir jetzt ein neues pädagogisches Outfit. Am Montag werden sich all die Eltern melden, die mit mir über das Zeugnis sprechen wollen (ich habe nämlich kurzerhand den Gesprächstermin verschoben, ätsch!). Da muss ich mich wappnen.

    Mitfühlende Grüße,
    die Frau Weh

  4. Liebe Hattifnatte,
    ich muss zugeben, dass ich mich sehr auf die 4. Klasse freue, wenn mein Großer endlich, endlich Noten bekommt. Bisher gibt es Berichtszeugnisse. Die sind sicher aussagekräftig, wenn man etwa 100 davon gelesen hat. Wenn man nur eines kennt, weiß man eigentlich nicht so recht, was gemeint ist (und das Kind hat sich nie mit dem Inhalt auseinandergesetzt – „Ach, das ist so lang und so ein komisches langweiliges Zeug“).
    Was das Kind kann, wo es seine Stärken und Schwächen hat – das weiß ich. Ich erlebe es ja täglich. Viele Details sind innerhalb der Schule sicher von Bedeutung – aber muss ich sie erfahren? „Kind beteiligt sich noch zögerlich an Gruppenarbeiten“ – kann ich mir vorstellen, aber was mache ich mit der Information?
    Was mich interessiert: reicht das, was wir zu Hause reinbuttern – oder reicht es nicht? Ist es dramatisch, dass der Große sich derzeit komplett ausklinkt, für allgemeine Ansagen nicht erreichbar ist und mit Berichten wie „Ja, und dann war was voll Gemeines. Die Wörter für die Hausaufgaben standen ja an der Tafel. Aber dann waren die plötzlich WEGGEWISCHT!“ „?“ „Ja, da war plötzlich Mathe und Frau N. hatte die Wörter einfach von der Tafel gewischt und deshalb konnte ich die nicht aufschreiben…“ ankommt – oder kann ich in Ruhe und Gelassenheit abwarten, ob der Frühling Besserung bringt?
    Und da helfen mir Noten ungemein. Bzw: würden mir helfen.. Wenn ich weiß, wo das Kind normalerweise steht, und das Kind plötzlich abrutscht, dann weiß ich, dass ich etwas unternehmen sollte. Ich habe auch etwas in der Hand, womit ich zu den Lehrerinnen gehen kann und was im Gespräch nicht durch das allgemeine Harmoniebedürfnis weggespült wird.
    Kind dazu: „Ich bin so froh, wenn wir endlich Noten bekommen. Ich weiß nie, ob ich etwas gut oder schlecht gemacht habe. Die Lehrerinnen sagen uns immer nur so komische Sachen dazu, die wir nicht verstehen.“

    1. Liebe „ne Mama“,

      ich kann gut verstehen, dass die Schwammigkeit, die Berichtszeugnisse oft auszeichnet (auch die meinen, leider) sie stört. Und durch ebendiese wollte ich Notenzeugnisse daher auch nicht ersetzen. Sondern eben duch Tabellen, in denen erfasst ist, was das Kind in welchem Fach kann und (für die Regelschule) inwieweit das dem „Soll“ für das Schuljahr genügt.

      Würde sowas Ihnen und Ihrem Großen nicht auch helfen, oder habe ich sie falsch verstanden?

      Alles Gute!
      H.

      1. Liebe Hattifnatte,
        wenn da auch stünde, was das „Soll“ ist, wäre es prima (obwohl ich es so differenziert eigentlich nicht bräuchte). In den Berichtszeugnissen steht auch drin, was das Kind kann – aber eben nicht, was es eigentlich können sollte. Wenn keine klaren Bewertungsmaßstäbe da sind, gibt es meiner bisherigen Erfahrung nach Lehrer, die durchweg loben („die kleinste Bemühung zählt“) und Lehrer, die nie so recht zufrieden sind („na, so kommt ihr aber nicht in die vierte Klasse!“) – beides demotiviert.
        Der motivierendste Lehrer, den ich in meiner Schulzeit hatte, hat sehr differenzierte, strenge Noten vergeben und zusätzlich halbjahresweise besondere Anstrengungen belohnt (z.B. Buchpreis für den Schüler, der sich vom ersten zum zweiten Halbjahr am meisten verbessert hatte, egal was die Ausgangsnote war).
        Eine Gefahr, die ich bei einem sehr differenzierten Zeugnis sehe (ich erlebe das hier bei den jährlichen Selbsteinschätzungsbögen zu allen möglichen Bereichen, die Kinder und Lehrer ausfüllen): dem Kind wird sehr deutlich vor Augen geführt, in wie vielen Punkten es unzureichend sein kann. Für ein pragmatisch eingestelltes Kind mag das förderlich sein (in 2 Punkten muss ich noch was tun, aber in 15 bin ich richtig ok) – ein kleiner Perfektionist wird nur die Punkte sehen, in denen er noch nicht perfekt ist. Bei meinem Großen führt das zu heftigen Motivationseinbrüchen (wobei mir die Lehrerin erklärt hat, dass die Mehrzahl der Kinder diese Bögen ganz toll finden).

  5. Ihre Idee – interessehalber gefragt – wären also deutlicher aufgegliederte Noten, z.B. getrennt nach Ergebnissen in verschiedenen fachlichen Teilbereichen, Leistungsbereitschaft, Sozialverhalten?

      1. Was es nicht so alles gibt, vielen Dank für die Information.
        In unternehmerisch aufgestellten Anwaltskanzleien werden übrigens mit den angestellten Anwälten regelmäßige strukturierte Reviewgespräche geführt, für die vergleichbare Raster verwendet werden. Bei meinem vormaligen Arbeitgeber gab es – aus der Erinnerung heraus – z.B. den Bereich fachliche Tätigkeit, in den Unterbereiche wie Sorgfalt, Rechtskenntnisse, fremdsprachliche Kompetenz fielen, oder den Bereich Soziales, in den Umgang mit Mitarbeitern verschiedener Hierarchiestufen bewertet wurden. Die Formulierungen waren zwischen „hier bin ich erfolgreich“ und „hier habe ich die Chance, noch besser zu werden“ angesiedelt, was auf mich immer sehr pädagogisch gewirkt hat 🙂
        Es gab übrigens ein 360°-Review, d.h. jeder hat jeden bewertet; der angestellte Anwalt seinen Partner, die Assistentin den angestellten Anwalt usw. (natürlich mit unterschiedlichen Kriterien). Die Bewertungen waren dabei jeweils vertraulich und sind von der HR-Abteilung zusammengeführt und dem Bewerteten konsolidiert vorgelegt worden. Zu den Bewertungen kam noch ein regelmäßiges strukturiertes bzw. moderiertes Gespräch. War schon gut.
        Äh, ja, abgeschweift. Was ich sagen wollte: das Konzept klingt erstaunlich gut, vielen Dank nochmal für die Erklärung für den pädagogischen Laien.

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