Da haben wir den Salat

Ich lebe in einer wunderbaren Mannigfaltigkeit von Sprachschubladen, die neu gebildet, ergänzt, ausgewählt, knallend geschlossen und gleichzeitig offen sein können. Es gibt eine nicht unbedingt kleine für Flüche*, lustige Spezialabteilungen, die sich nur auf englischssprachige Kochbücher beziehen oder sich für bestimmte Personen (oder Katzen) öffnen. Welche, auf denen – geschrieben mit diesem stanzigen Blockbuchstabenplastikband** – JETZT ABER MAL KOMPETENT ERSCHEINEN steht und natürlich die „Lehrersprache“-Abteilungen, hübsch getrennt nach Altersgruppen und für mich nur zu ertragen, wenn eine beliebige andere Schublade –  zumindest ein Stückchen weit  – gleichzeitig offen steht.
So habe ich, damals, als die wilden Kerle noch junge Hüpfer waren, brav in Hauptsätzen gesprochen und extraordinäre Worte (meistens) Zuhaus gelassen. Hauptsätze sind immer noch beliebt ob ihrer Kürze und Arbeitsgedächtniskapazitätsschonung (sic!), mit extraordinären Worten und hübschen Sprachbildchen muss der wilde Kerl als solcher zurechtkommen. Zur Zeit nicht nur durch mich, sondern auch durch unsere Lektüre. Die ist großes Kino – das müssen sogar die Kinder Jugendlichen  zugeben – hat aber ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. „Auf dem Buckel haben“ sagen auch die Protagonisten, ebenso wie  „Schmiere stehen“ und „Backpfeife“. Die Kinder Jugendlichen haben hübscherweise einen Heidenspaß daran und reflektieren über diese „altmodische“ Sprache, da kann´s ja auch Schlimmeres geben.

Am entzücktesten bin ich allerdings, wenn plötzlich etwas davon außerhalb des Deutschunterrichts aufblitzt. „Da haben wir den Salat“ blökt B. aufgrund eines nicht unwesentlichen Technikproblems und setzt grinsend hinterher „wie man damals gesagt hat, als Sie jung waren“.

Nun. Sie müssen noch viel lernen. 🙂

 

P.S.: Achtung, Achtung! Der Nutzwert dieses Artikels steigt hiermit von Null ins Unermessliche! Ein Salatrezept auf die Schnelle und wahnwitzig passend zur Überschrift:

Vermengen: Bittersalat, Birne oder Apfel, Brie (alles zuvor in Stücke geschnitten, ihr werdet euch das gedacht haben).Einfaches Balsamicodressing drüber. Sonnenblumenkerne anrösten, ganz zum Schluss Honig dazu, kurz (!) zusammen aufwallen, auf Backpapier streichen und kurz auskühlen, über Salat bröseln. Froh sein. Essen. (Dank an die grosse Schwester, die wirklich spektakuläre Salate erfindet)

 

 

*Nicht im Sinne von „Flüchen und Gegenflüchen“ wie bei Harry Potter, ihr werdet euch das bereits gedacht haben. Wobei so ein gezieltes „Expelliarmus!“ auf dem Schulhof, das hätte schon was…

**Wisst ihr, was ich meine? Das hat auch nen Namen, man gebe ihn mir, bitte!

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5 Gedanken zu “Da haben wir den Salat

  1. Ich liebe diesen Blog…wirklich.
    Als Dank gebe ich dir das Wort. Es lautet: Prägeetikett.
    Viel Spaß damit und liebe Grüße
    icke

  2. Heißt das Ding nicht Dymo? Oder ist das wie mit Tempo? Ich esse den Salat übrigens mit … ach, du weißt es schon :mrgreen:

    Und meine Lieblingsschublade ist ganz klar die JETZT ABER MAL KOMPETENT ERSCHEINEN. Kann dein Plastikband auch Ausrufezeichen? Ich bräuchte mindestens fünf Stück oder so.
    Drück dich, du Tolle!

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