Zeugnisgespräche in der 8

Wie sie da sitzen
diese großen, jungen Menschen
mit Mama
oder Pflegepapa
oder ganz allein.

Mit Egalgesichtern
Mit Hörtaufmichzuloben,dasschadetdemTeint-Gesichtern
Mit IhrwolltmirnurBöses-Gesichtern
MitPapaduschuldestmir50Euro-Gesichtern
Und manche sogar mit etwas Stolz.

Ich schaue sie an, diese großen jungen Menschen.
Und sorge mich, und ärgere mich und freue mich
und bin zuversichtlich
und – auf manche – sogar stolz.

Ich fürchte, ich hab sie gern, inzwischen.

 

Alter, bin ich schlicht (dafür gibt´s auch nen Rezept dazu)

„…oder geben sie die Gnocchi in eine Pfanne mit ausgelassener Butter“. Ich bin so leicht zu erfreuen – grinsend töffele ich jetzt durch die Gegend, das ausgelassen sein überlasse ich heute allerdings mal den Fetterzeugnissen.

Weil: Förderplangespräche. Alle an einem Tag (gefühlt), Sushi vom Aldi ausser Packung*, in der halben Stunde gekauft und verzehrt, als die Eltern X unangemeldet nicht erschienen (GRRR!), Rückenschmerz (leicht).

Was gut, dass sich das heutige „richtige“ Essen praktisch nebenbei macht, während ich noch hier Noten einpflege und dort Mathespiele raussuche.

Es gibt – Tätärätääää, Kantelegeklimper, Englischhorn setzt ein – Gnocchi mit Kram (für 2)

Die Gnocchi sind selbstredend gekauft, wir haben ja kein Wochenende hier.

Außerdem dabei:

2 – 3 Schalotten

Paprikaschote in dünnen Streifen

Fenchelknolle

1 Möhre

Tomatenmatsch

Currypulver (ca 1 gehäufter TL)

Salz

Salbeiblätter (optional + zu dieser Jahreszeit wohl eher die getrockneten ausm Garten von letzter Saison)

Schuss Sherry (optional)

große Mengen Butter

 

Kleine Mengen Butter im Topf nicht zu sehr erhitzen und die geviertelten Schalotten reintun. 10 Minuten weggehen und etwa 4 Ikeataschen mit Dingen füllen, die dem Mathematikunterricht der Klasse 1 zur Freude gereichen. Hitze so wählen, dass die Schalotten nicht anbrennen, bevor Taschen befüllt.

Fenchelknolle (ohne grün, das ess ich so [nach 2 Nutellatoasts]) schneiden und zu den Schalotten geben. Immer noch eher geringe Hitze. Wieder 10 Minuten weggehen. 9 Minuten Musiknoteneingeben, 1 Minute darüber ärgern, für künstlerische Fächer Noten vergeben zu müssen.

Vor schulsystemkritischen Gedanken rettet uns nun: Butter, ausgelassen. Davon viel und zwar in einer Pfanne (mit Salbei). Wenn die Butter ausgelassen genug erscheint (jaja, ich hör schon auf…), Gnocchi dazu, durchrühren um alles mit Butterfilm zu überziehen und vorsichhin braten lassen.
Gleichzeitig (wir haben Kounin gelesen und verinnerlicht, wir schaffen das!): Paprika dazu geben, Hitze bisschen hoch. Dabei bleiben und darüber nachsinnen, was man im nächsten Halbjahr (noch) besser machen könnte. Nach 2 Minuten den Gedanken das Denken verbieten und mit Sherry ablöschen (das Gemüse, nicht das Hirn).


Wenn Sherry verbruzzelt ist: Tomatenmatsch und Curry dazu. Nicht zu viel, es ist keine Soße, was wir hier kochen. Nebenbei vielleicht mal die Gnocchi durchrütteln. Dabei unpädagogischerweise an bestimmte Achtklässler denken.

5 Minuten weggehen, alles für morgen bereit stellen, feststellen, dass es 6 Taschen sind, am eigenen Verstand und der Größe des KleinwagenKofferraums zweifeln.

Möhre eventuell schälen und zwingend reiben (grob). Zum Gemüse geben. Gnocchi nicht vergessen. Nach 2 Minuten ist das Gemüse fertig und wird Gnocchibegleitet verzehrt – selbstredend auf dem Sofa.


Gnocchi bleiben nie übrig (so lautet das Gesetz), das Gemüse ist mengenmäßig recht üppig und kann am morgigen Tag kalt mit in die Schule genommen und mit beim Bäcker erworbenem Brot ohne Vollkornanteil sehr gut kalt verzehrt werden.

Habt es gut und bleibt schön wacker!

 

* Das ist natürlich total umweltsündig verpackt und voller Konservierungsstoffe usw.. Aber geil.

Reklame für lustige Dinge: das Hue Animation Studio

Ab und an bekomm ich ulkige Emails: „Wir haben ihren interessanten Blog gelesen und glauben, dass unser neues Altgriechischlehrbuch genau das richtige für sie und ihre Schüler ist.“ Nun.

Seltener bekomm ich Mails wie die von HUE, bei der ich tatsächlich das Gefühl hatte, man hat zuvor Blogartikel von mir gelesen hat. Und wenn es dann auch noch um technische Spielereien geht, dann haben die mich halt und ich mach meine erste „Blogkooperation“. Heißt: nette Menschen haben mir das HUE Animation Studio kostenlos geschickt und ich schreib drüber. Wobei mir freisteht, das scheiße zu finden. Find ich aber nicht. Ist lustig – finde ich, finden die Schüler.

Das Ding verspricht, ganz einfach kleine Animationsfilmchen aus einzelnen Bildern zusammensetzen zu können inkl. lustiger Effekte.  Das verspricht es allerdings auf englisch, was meine SchülerInnen zum Glück sehr viel weniger irritiert hat, als ich befürchtet hatte. Ich habe ihnen eine frontale Schnellanleitung gegeben*, den Rest haben sie durch ausprobieren bzw. Googleübersetzung problemlos hinbekommen. Wir haben die Kamera und Software bisher einmal als Kleingruppe genutzt, es wurden Kurzfilmchen zu Brüchen gedreht, als grobes Vorbild diente uns dafür dieses Video. Für das (und für weitere) gibt es im beiliegenden „Book of Animation“genaue technische Anleitungen. Sehr gut und verständlich gemacht, auch mit meinem sehr mäßigen Englisch.

Die Filme der Schüler kann ich euch hier leider nicht zeigen, da sind sie drauf und man hört sie „Noch ein Vierrrrrtel!“ und ähnliches sagen.

Es ist so, dass man das HUE Animation Studio sicher nicht braucht, um guten Unterricht zu machen. Ich finde es aber eine sehr nette, gut gemachte, wohl aufbereitete technische Spielerei, die auf meine SchülerInnen (14/15 Jahre, Flex-Klasse) höchst motivierend wirkte.

Ich werde es im Frühjahr mal für Verklanglichungen bzw. Programmmusik im Musikunterricht einsetzen und kann es mir auch für Vorgangsbeschreibungen und mehr bestens vorstellen.

P.S.: Kaufen kann man das Teilchen für rund 60€ zum Beispiel bei Amazon, diverse Anregungen gibt´s im youtube-Kanal von HUE

* Die Schnellanleitung gibt´s auf der Internetseite auch auf Deutsch

Come as you are – Jahresrückblicksfragebogen 2016

Ich mag, verehre, liiiebe Jahresrückblicke, insbesondere die peinlichen der privaten Sender, natürlich. Ich liebe Fragebögen – lesen nochmehr als ausfüllen. Aber da Silvestertagsüber so ein Rumdrömeltag ist und der Mann sowieso noch verschnupft im Bett verblieb, versuch ich mich auch mal dran.*

 

Zugenommen oder abgenommen?

Meine Waage steht aufm Dachboden. Im September bin ich zwischendurch mal recht klapperig gewesen – der Klotzanfang, Sie erinnern sich?! – das war aber schnell wieder drauf. Mein Gewicht schwankt so zwischen „Hose sitzt gut“ und „Hose kneift ein bisschen“. Das ist okay so.

Haare länger oder kürzer?

Kürzer, deutlich. Doof nach dem Mützeausziehen – sonst gut.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Vermutlich mehr.  In London gewesen. Viele Fachbücher, Bücher und Klamotten einfach so zwischendurch gekauft. Das ist Luxus, ich genieße das.

Mehr bewegt oder weniger?

Nun. *Hüstel*. Ich sollte wirklich dringend mal wieder Sport machen, schon für den Rücken (aber Sport ist doof und langweilig, echtjetztmal. Und komm mir jetzt keine mit Yoga. Auch doof und langweilig).

Der hirnrissigste Plan?

Alle Zeugnisse an einem Wochenende schreiben (müssen). Uargh uurgh uärgh. Ich bin keine Sprinterin in diesen Dingen, nein, wirklich nicht.

Die gefährlichste Unternehmung?

Ich bin so langweilig, ich mach nix Gefährliches. Außer Pausenaufsichten im Winter, natürlich.

Die teuerste Anschaffung?

Ein Bett und neue Matratzen. Ich kann gerade zu letzterem nur raten. Schlafen ist gut, schlafen ist wichtig, Winterruhe für alle –  ihr wisst schon.

Das leckerste Essen?

Überrraschenderweise: Maismatsch. Um genau zu sein: Maismatsch in Maisblatt gegart mit diversen Gewürzen, „Humita“ heißt das. Gegessen im Gaucho in London (Als Beilage zum Fleisch; das war auch gut, aber die Humita war ein Erlebnis).

Ferner: das (den?) Hummus aus Ottolenghis „Jerusalem“-Kochbuch. Ja, da muss wirklich so viel Salz rein. Ja, da muss wirklich dermaßen viel Tahini rein (ich nehm das gute, teure von Rapunzel. Es lohnt). Das ist so gut, wir haben uns im Sommer davon ernährt.

Das beeindruckendste Buch?

Fachbuch:

Dass die wilden Kerle ihre ersten Schritte in die Welt der Zahlen und Operationen gemacht haben, ist ne Weile her. Ich hab mir also vor dem Start mit den beiden ersten Klassen im Klotz ein bisschen Wissen wiedergeholt und einiges neu gelernt. Am besten gelungen ist das mit dem Buch von Herrn Gaidoschik: „Rechenschwäche verstehen – Kinder gezielt fördern“. Der Mensch kann schreiben, der Mensch hat das Buch wohlstrukturiert und beschreibt sehr verständlich, ohne doof zu vereinfachen. Ich habe das Buch schon etwa 12.345 Kolleginnen empfohlen und empfehle es jetzt auch Euch. Sehr.

Sachbuch:

Ich lese seit längerem Mareice Kaisers Blog, das Kaiserinnenreich. Über das Leben mit ihrer schwer behinderten Tochter hat sie dieses Jahr ein unglaublich tolles, bewegendes, sehr wichtiges Buch geschrieben: Alles inklusive.

Roman

Ich habe viele Schnulzen gelesen in diesem Jahr und wenig „Bedeutsames“. Völlig überrascht hat mich „Aschenkindel“, das ich mir eher zufällig an einem faulen Sonntag auf den Kindle lud.

Der ergreifendste Film?

Im Kino war´s dieses Jahr oft nett und schön, am meisten gefesselt hat mich aber eine Serie: „Kudamm ´56″

Die beste CD? Der beste Download?

Das ganze Jahr ständig alte (Cohen!), mittelalte (Kettcar) und uralte Musik (Bach) gehört, kurz vor Weihnachten Maria Taylor entdeckt und sehr angetan gewesen.

Die meiste Zeit verbracht mit …?

Arbeiten und lesen. Could be worse.

Die schönste Zeit verbracht mit …?

dem Gatten.

Vorherrschendes Gefühl 2016?

Mut tut gut.

2016 zum ersten Mal getan?

Überlegt, ob ich – bezogen auf die politische Lage der Welt – vielleicht doch mal den Optimismus verlieren sollte.

Mir zum Geburtstag Spenden gewünscht.

Mich auf großen, öffentlichen Plätzen unwohl gefühlt.

Tonkabohnen besessen.

2016 nach langer Zeit wieder getan?

An einer neuen Schule angefangen. Oh, war das klug!

Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Selbstzweifel

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Der Text für meine Mutter.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Dasein, was auch immer werden und sein mag.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Es ist so schön, dich an unserer Schule zu haben!“

2016 war mit einem Wort …?

aufregend

 

*Dieser ist geklaut von Anke Gröner. sie füllt ihn seit 2003 jährlich aus – sehr interessant zu lesen!

Damit ich es nicht vergesse, dieses Gefühl

Die von mir in hohem Maße vereehrte Anke Gröner nutzt ihr Blog ab und an als Rezeptschnellwiederfindenablagestelle.
Ich nutze mein Blog abundan als Gutedingeschnellwiederfindenablagestelle. so Frederikmäßig – nur ohne die hübschen Bilder. Und ohne eine Maus zu sein. Wenn schon Tier, dann hab ich winters Hörnchentendenzen.

Heute wurde – nach Zaudern, Haareraufen, Lindor-Diät, viel geknülltem Papier, Freundesinspiration, Probearbeit, Zweifeln und Technikausfällen mein erstes eigenes Theaterstück von den wilden Kerlen auf die Bühne gebracht.

Das Publikum hat an den richtigen Stellen gelacht und an den richtigen Stellen Tränchen weggetupft. Meine eigenen sind verdampft im Applaus. Alter, solche Tage!

Ein Herzchen für die Vertretungszeit

Der Klotz hustet, der Klotz schnieft, der Klotz röchelt und hat unschönen Auswurf. Wird der arg grün, bleibt die engagierte Klotzkollegin als solche – klugerweise – zu Hause.
Hattifnattenseits ist man mit Erkältungskram schon durch und macht dann halt Vertretung in bekannten und fremden Klassen.
Wohl denen, die eine Gitarre und das Helbling Weihnachtsliederbuch* dabei haben und wissen, dass mindestens ein Mädchen in jeder Klasse Lena und ein Junge Tom heißen. Und Hohn und Spott über jene Hattifnatten, die plötzlich Lautgebärden in einer ersten Klasse benutzen, obwohl ebendiese erste Klasse ja ganz ohne arbeitet. Nun.

Heute aber: 4 Stunden Vertretung in unfremder Klasse, in der achten Flex nämlich. Ich kündige in der zweiten Stunde die stundenlange Hattifnattendauerschleife an und bekomme ein gönnerhaftes „Ach wissense, sooo schlimm sind sie ja nicht…!“
Sie machen so süße Komplimente, die lieblichen Pubertiere.

 

* Die gebe mir kein Geld, das ist wirklich gut.